Dienstag, 5. Juni 2012

Ausrüstungsvergleich FeSpähKdo vs. Airsoft 2nd Line

Bitte Vorwort aus der 1st Line beachten !
 
Nachdem wir in unserem ersten Review ausführlich die 1st Line unter die Lupe genommen haben, wollen wir uns heute mit der 2nd Line eines Fernspäh- / Kommandotrupps befassen.

Die 2nd Line besteht im wesentlichen aus Kampfmitteln, Not- und Signalmitteln, sowie Biwakausrüstung. Grundlage dafür ist natürlich die Kampfmittelweste / Koppel. Wie man nachher unschwer erkennen kann ist die 2nd Line vom benötigten Verpackungsvolumen her sehr umfangreich. Es ist daher nahezu unmöglich alles in die Weste zu packen. Verschiebungen in die 3rd Line A oder B sind unumgänglich. Zudem muß man auch hier überlegen was sinnvoll ist und was nicht. Wir halten mal an unserem Auftrag von der 1st Line fest.


 
Stand: März 2005
 
Zur 2nd Line gehört natürlich auch die Primärwaffe - in unserem Beispiel ein normales G36K. Ein klassischer KdoTrp führt eine gemischte Bewaffnung mit: MP5SD6, G36K, G36K mit AG36, G8 (G21E). Die Waffen kommen in den verschiedensten Ausführungen und mit den unterschiedlichsten Anbauteilen und Visierungen - gebräuchlich ist das EOTec, was momentan langsam vom Zeiss Z-Point abgelöst wird. Das Thema Bewaffnung soll aber nicht Inhalt dieses Reviews sein, deshalb rechnen wir das Gewicht von 3500 Gramm pur, also ohne Schnickschnack dazu.
 
Die Kampfmittelweste (kurz KMW genannt) ist wie gesagt die Basis für die 2nd Line. Trage sie ständig. Wenn Du sie nicht trägst, dann setze/lege Dich darauf. Lege sie nie außer Reichweite. Die KMW enthält die Dinge die im Gefecht, aber auch auf der Flucht überlebenswichtig sind !
 
Als Beispiel für eine KMW führen wir hier mal die HEIM Multifunktionsweste an, im allg. KSK Weste genannt. Im Einsatz beim KSK, Fernspähern und Fallschirmjägerspezialzügen. Diese Weste haben wir in einem Review bereits ausführlich unter die Lupe genommen, Details findet ihr also im Archiv. Die Weste wiegt leer 2500 Gramm.

Kampfmittel: Die KMW bietet platz für 8 Magazine G36. Da unser Auftrag keinen reinen Aufklärungs­ sondern auch einen Kampfauftrag umfasst, sollten wir den Platz auch für Magazine nutzen. Wer schon mal ein Ausweichschießen mitgemacht hat, der wird bestätigen daß 8 Magazine im Handumdrehen weggeschossen sind. Noch ein Tip zu Magazinen und Munition - in der 3rd Line A werden noch Patronen mitgeführt. Allerdings nicht in Magazinen. Die gängige Hollywood-Technik daß leergeschossene Magazine einfach fallengelassen werden ist Unfug (es sei denn die 3rd Line A ist schon verloren...). Die Magazine sind zu Doppelmagazinen zusammengefaßt und mit einer Sicherungsschnur versehen. Die Hintergründe dieser Technik haben wir ebenfalls schon reviewed und sind im Archiv einsehbar. Gewicht eines gefüllten Magazins: 400 Gramm. 8 Magazine = 3200  Gramm. Im Gegensatz dazu die Airsoft-Version. Ein Magazin wiegt 200 Gramm. Das Gewicht von 50 BBs können wir vernachlässigen. Kommen wir bei 8 Magazinen also auf 1600 Gramm.

Backup Pistole. Im 1st Line Review haben wir ja bereits erläutert warum wir die Backup in die 2nd Line verschieben. Unsere KMW verfügt über ein Innenholster auf der linken Seite, eigentlich gedacht für eine Signalpistole, aber auch passend für P8, P12 und einige andere mehr. Im Original müßte das Holster also eine P8 Combat (die ohne Sicherung) aufnehmen (Leergewicht 720 Gramm) plus ein Magazin mit 15 Schuß (230 Gramm). Bei uns kommt statt dessen eine Sigma 40F zum Einsatz (Gewicht ohne Magazin 530 Gramm). Apropos Signalpistole. Die bleibt - aufgrund des hohen Gewichts und der geringen Einsatzmöglichkeiten im Rahmen des Auftrags daheim.
 
Zur Backup kommen im Original noch vier zusätzliche Magazine, davon zwei in der 3rd Line A. Also noch zwei P8 Magazine (460 Gramm) die in der 2nd Line verstaut werden wollen. Bei uns reicht ein einfaches SIGMA Magazin (430 Gramm) durch die hohe Kapazität von 39 Schuß. Nicht zu vergessen das Gewicht der CO2 Kartusche (50 Gramm). Als Ersatz für die Kartusche nehmen wir drei weitere Kapseln mit (150 Gramm) um im Notfall nicht auf die Backup verzichten zu müssen. Wichtig - die Kartuschen nicht einfach so in eine Tasche packen - sie klimpern und müssen entklappert werden. Daher hier mit spezieller Tasche. Auf Spielereien wie Magpull o.ä. wird auch im wahren Leben bewußt verzichtet, da die Mags dann nicht mehr in die vorgesehenen Taschen passen.
 
      
In Sachen Munition ist es im wahren Leben hier gegessen. Bei Airsoft macht es jedoch Sinn noch ein paar Speedloader griffbereit zu haben. So kann man z.B. am Ausweichpunkt bzw. Rally Point schnell aufmunitionieren. Bei 100 BB pro Speedloader können wir zwei Mags füllen, bei 2 Loadern folglich 4 Mags. Gewicht eines Speedloaders (gefüllt) 70 Gramm mal 2 also 140 Gramm. Ausserdem macht es Sinn einige BBs (ca. 500) lose mitzuführen. Die Verpackung sollte nicht aus Plastik sein da die BBs sonst klappern. Gerne wird bei uns daher ein Stoffsäckchen benutzt. Gewicht: 150 Gramm.

Handkampfmittel. Handgranaten sind wichtige Kampfmittel und sowohl im Wald, als auch innerhalb fester Strukturen (Gebäude) unverzichtbar. Dank 3-fach Handgranatentasche können drei Granaten griffbereit mitgeführt werden. Im Original DM51A1 mit Splitterkörper. Entfernt man diesen erhält man bekanntermaßen eine Sprenggranate (sinnvoll im OHK...) mit der Bezeichnung (jetzt) DM51. Gewicht einer Granate mit Splitterkörper 450 Gramm. Drei Stück also 1350 Gramm. Bei Airsoft nehmen wir drei AG-01 BB Handgranaten mit, Gewicht ca 150 Gramm pro Stück, also 450 Gramm. Wichtig: In jedem Trupp befindet sich mindestens ein Kamerad mit AG36 - er trägt statt der Handgranaten ein 40mm Granatenpaneel, das sechs Granaten aufnehmen kann.
 
    
Nebeltöpfe. Je nach Auftrag und Situation sind Nebeltöpfe (oder umgangssprachlich “Rauchgranaten“) äußerst nützlich. Die Taschen der KMW sind für Standard Bundeswehr Nebeltöpfe ausgelegt, von denen zwei mitgeführt werden. Wie bei den Handgranaten gilt auch hier - es wird benutzt was gerade zur Verfügung steht. So kann es durchaus vorkommen das auch amerikanische M18 benutzt werden. Je nach Einsatzzweck kommen verschiedene Farben zum Einsatz. z.B. Rot oder Grün wenn etwas markiert werden soll (z.B. für Hubschrauberaufnahme ect). Grau oder Gelb (aufgrund des geringeren Kontrasts zur Umgebung) für Ausweichbewegungen u.s.w. Gewicht eines Nebeltopfes: 400 Gramm. MaI 2 macht also 800 Gramm. Diese Nebeltöpfe brennen recht lange und bieten bis zu 3 Minuten eine starke Rauchentwicklung. Für unsere Zwecke zu lange. Wir benutzen daher Nebeltöpfe von Comet (die übrigens auch die BW Töpfe herstellen). Die sind um die Hälfte kleiner und brennen bei gleicher Rauchintensität bloß 1 Minute. Für Airsoft bzw. Milsim völlig ausreichend. Gewicht pro Topf: 200 Gramm, maI 2 also 400 Gramm.
Ein weiterer wichtiger Aurüstungsgegenstand sind Handfesseln. Man kann nie wissen in was für eine Situation man gerät... Da sich unsere Kommandos wahrscheinlich einige Minuten im Gebäude des Zielobjekts aufhalten müssen werden sie die Handfesseln brauchen. Denn im CQB sind nach dem Gefecht auch mutmaßlich tote Gegner zu fesseln. Sicher ist sicher. Für Airsoft muß man hier natürlich vorsichtig sein und genau überprüfen was die Spielregeln zulassen. Man darf den "Bogen nicht überspannen". I.d.R. reicht es bei AS ja dem Gegner zu sagen: "Du bist gefangen". Der freie Markt bietet viele verschiedene Varianten von "Handcuffs" u.a. auch wiederverwendbare. Wir bleiben bei den guten alten (billigen) Kabelbindern. Vier Stück pro Mann - Gewicht: 40 Gramm.
Fernmeldeausstattung / Truppfunk. Innerhalb des Trupps stehen die Member unter Funkkontakt. Dazu stehen SEM52S (SL) bereit, die jedoch in Sachen  Sendeleistung, Rauschunterdrückung, Kanalvielzahl, Akkus und Größe nicht mit einem vernünftigen CB Handy mithalten können. Oftmals werden daher Motorola Betriebsfunkgeräte benutzt. Wir bleiben hier mal bei den SEM die mit sechs AA Batterien (Lithium)  betrieben werden. Gewicht des Geräts 950 Gramm. Plus Batterien 160 Gramm = 1110 Gramm. Dafür existieren noch einige Headsets, primär Schwanenhals - weniger Kehlkopf. Über unseren Funk möchten wir nicht zu viel bekannt geben, nur soviel - Motorolas sind uns nicht fremd. Gewichtstechnisch machen wir mit ca. 500 Gramm etwas gut. Als Beispielbild ein SEM52A, das dem 52S in der Bauart ähnlich ist.

Wir kommen zur Notfall- Signalausrüstung. Eigentlich wäre hier zuerst das Notfunkgerät zu erwähnen, aber das haben wir ja bereits in der 1st Line untergebracht. Ein Interessantes und vielseitiges Ausrüstungsstück ist das Fliegermarkierungstuch. Ein orangerotes Stück rechteckigen Stoffs (150x100cm) das mit vielen Ösen an den Rändern versehen ist. Mit diesem Tuch (besser noch in Kombination der anderen Tücher der Kameraden) können verschiedene geometrische Formen gelegt werden, welche alle eine spezielle Bedeutung haben. Ein überfliegendes Flugzeug oder Hubschrauber kann diese Formen dann wahrnehmen und ist über die Lage des Trupps informiert. Sinnvoll wenn die Funkausrüstung verloren oder beschädigt ist - aber auch wenn ein Funkspruch zur Entdeckung des Trupps führen könnte (Abhören, Funkpeilung u.s.w.) Diese Liste ließe sich jetzt noch länger fortsetzen - Stichwort ECR Maßnahmen... Das Material ist eine leichte Synthetikfaser, aber auch von Fliegermarkierungstüchern aus Seide habe ich bereits gehört. Dank der Ösen in den Längsseiten kann das Tuch mit Zeltnägeln abgespannt werden so daß die Form auch bei Wind erhalten bleibt. Vakuumverschweißt nimmt das Tuch nur wenig Platz ein und wiegt 90 Gramm.

   
Das MS 2000M ist ein Strobelight (Blitzlicht) welches multinational in Gebrauch ist. Betrieben wird es mit zwei AA Batterien (60 Gramm) und wiegt selbst 115 Gramm. Man kann sowohl Blitz- als auch Dauerlicht einstellen und das in den Betriebsmodi rundum oder nur in einer Richtung. Dabei kann man noch einen blauen Filter vorsetzen oder das ganze Gerät auf Infrarot schalten. Vorteilhaft wenn man auf sich aufmerksam machen will, aber nicht zu viel aufsehen erregen möchte. Aber auch als Ablenkungsmanöver hat uns ein Stobe schon gedient oder als NSG "Prävention". Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und bei einer Lebensdauer von 8 Stunden kann nicht viel schief gehen.


Weiter in der Not-Signalausrüstung. Knicklichter - wie immer unentbehrlich. Mitgenommen werden zwei IR und zwei Grüne. Gewicht: 100 Gramm. Dank unseres Krill aus der 1st Line kann man auf die zwei Grünen jedoch verzichten wenn man unbedingt will. Aber die 50 Gramm machen das Kraut jetzt auch nicht mehr fett.

  
In der 2nd Line findet außerdem eine leistungsstarke Lampe Platz. Sowohl als Signalmittel, als auch zur behelfsmäßigen Montage an der Waffe u.s.w. In unserem Fall eine Surefire 9P, betrieben mit drei 3V Lithium Batterien. Die 9P ist ein Breitstrahler was sie auch zum Ausleuchten von größeren Objekten und Gebieten befähigt. In Kombination mit einem IR-Filter bietet sie wirkungsvolle Beleuchtung für das NSG. Die Schalter sind variabel - entweder mit Drückerkappe oder mit 2 Wege Schalter. Details zur Surefire 9P im Archiv. Gewicht ink. Batterien u. Zubehör 250 Gramm.
Wasser / Verpflegung. Wasser ist essentiell. Gerade bei großen Anstrengungen muß der Flüssigkeitsverlust des Körpers unverzüglich ausgeglichen werden. Als Faustregel gilt - mind. einen halben Liter vor großen Anstrengungen zu sich nehmen und dann fortwährend Flüssigkeit zuführen. Ohne diesen "Vorlauf" hat der Körper unter Belastung später große Probleme das Wasser zu verwerten. Dazu gibt es unzählige Referenzen und Ausarbeitungen im Netz - der geneigte Leser wird sicher fündig werden. Das Trinkzusätze (Mineralzusätze) verwendet werden ist weder neu noch ungewöhnlich. Zur Not geht auch eine Messerspitze Salz. Vorgesehen sind mindestens zwei Feldflaschen in der 2nd Line. Das wären insgesamt 1,5 Liter Wasser. Nun ist die gute alte Feldflasche nicht mehr zeitgemäß und auch in der Bundeswehr hat das Camelbak Einzug gehalten. Das Problem ist folgendes: Ein Camelbak passt nicht in die Feldflaschentasche, man trägt es auf dem Rücken - da ist allerdings schon der Rucksack. Also in die 3rd Line ? Wäre eine Möglichkeit, aber keine gute. Besser ist es die zwei Feldflaschen- Mehrzwecktaschen der KMW zu nutzen. Dazu gibt es zahlreiche Möglichkeiten - benutzt wird was der Markt hergibt. Eine passable Möglichkeit sind Platypus Flaschen. Die sind im Vergleich zu Camelbaks leicht zu reinigen, geschmacksecht und wesentlich unempfindlicher gegenüber mechanischen Belastungen. Platypus liefert u.a. die 1 Liter Variante. Mittels Adapter und Schlauch kann man diese Faltflasche in einen waschechten Trinkschlauch verwandeln. Er passt bequem in die Feldflaschentasche. Der Schlauch wird einfach in der Weste verlegt, spezielle Eingriffe sind an der HEIM Multifunktionsweste vorhanden. Das bietet den Vorteil daß das Wasser auch im Winter nicht im Schlauch einfrieren kann. Der Nachteil ist daß der erste Schluck immer widerlich warm ist. Daran ändern auch keine Neoprenschläuche etwas. Diesen Schlauch haben wir mit BW-Schnur umwickelt - so hat man im Notfall noch Extra-Schnur parat. Ist der erste Liter verbraucht wird die Faltflasche einfach mit der zweiten ausgewechselt. Generell sollte immer, bei jeder sich bietenden Gelegenheit Wasser aufgenommen werden. Da in Mitteleuropa durchschnittlich aller 7 km ein Wasserhindernis überquert werden muß sollten sich genügend Möglichkeiten bieten. Mit unseren zwei Faltflaschen kommen wir also auf ein Wasservolumen von 2 Litern, das im Grunde nicht sehr viel - aber ausreichend ist. Das Gewicht einer Platypus 1 Liter Flasche beträgt 25 Gramm, zwei Stück plus Schlauch 150 Gramm plus 2000 ml Wasser = 2150 Gramm.

  
Verpflegung in der 2nd Line ? Nicht in der 3rd ? Jawohl, so ist es. Denn wenn die 3rd Line erst weg ist - hat man nix mehr zu beissen. Jetzt wird es einige Besserwisser geben die sagen - "So ein Quatsch, man kann ohne Nahrung sehr lange überleben...". Überleben - stimmt. Aber unsere KdoSoldaten sollen nicht nur irgendwo rumliegen - sie haben hohen physischen und psychischen Stress. Sie brauchen Kohlenhydrate um leistungsfähig zu bleiben. Und zwar eine Menge davon ! 3000 Kalorien sind pro Tag angesetzt und werden durch die körperliche Anstrengung sicher auch umgesetzt. Vorgesehen ist für die 2nd Line eine 24 Stunden Notration (3000 Kalorien) und eine 48 Stunden Überlebensration (6000 Kalorien). Insgesamt kann man sich damit also 3 Tage über Wasser halten. Diese Rationen bestehen aus komprimierten Kohlenhydraten und haben eigentlich keinen spezifischen Geschmack. Man soll sich mehrmals am Tag ein paar Stücke davon auf der Zunge zergehen lassen. Dabei entwickelt sich ein leicht süßlicher Geschmack der aber eher penetrant als angenehm ist. In beiden Packungen befinden sich noch einige Extras wie EPA Tee und Wasserentkeimungstabletten. Es ist nicht ungewöhnlich daß es Kameraden gibt die ein EPA Leicht der 24 Stunden Notration vorziehen, auch wenn es ein höheres Packmaß und Gewicht aufweist. Apropos Gewicht: Beide Packungen bringen jeweils 210 Gramm auf die Waage. Nicht das hier etwas falsch verstanden wird - wenn alles "glatt" geht bleiben die Notrationen unangetastet. Verpflegt wird schließlich aus der 3rd Line (i.d.R. EPA Leicht). Dazu später mehr.
Besonders in kalten Regionen ist es wichtig regelmäßig etwas Warmes zu sich zu nehmen. Z.B. einen heißen Tee oder eine stärkende Brühe. Aber auch sonst ist ein Metallbecher nützlich und wichtig. Man kann mit ihm kochen - und wenn es nur der Morgenkaffee ist. Zum Einsatz kommt z.B. dieser US Feldflaschenbecher aus Alu. Er fasst 600 ml und wiegt 210 Gramm. Tip am Rande: wenn man in die Innenwand des Bechers ein paar Milliliterangaben (z.B. in 100 ml Schritten) einritzt, dann kann man das Wasser für die EPA Leicht besser abschätzen - und besser schmeckts dann auch. In Kombination mit einem Esbitkocher und natürlich Esbit steht dem warmen Genuß nichts mehr im Wege. Natürlich kann man den Esbit auch wieder durch US Trioxane ersetzen - dabei sei bemerkt daß Trioxane zwar schneller anbrennt, aber auch schneller und heisser abbrennt. Spätestens ab 3 Tagen lohnt sich das Gewichts/Effizienz Verhältnis nicht mehr. Gewicht des Kochers + Esbit: 160 Gramm. 

    
Ebenfalls wichtig ist natürlich das Waffenreinigungsgerät. Dabei begnügen wir uns mit dem für das G36. Warum nicht auch eines für die Backup ? Wozu denn ? Die Backup bleibt i.d.R. sicher verwahrt und vor Dreck geschützt im Innenholster. Das G36 wird ständig getragen, kommt mit Erde in Berührung, wird nass u.s.w. Die Notwenigkeit des Putzens ist also beim G36 viel eher gegeben - auch wenn nicht damit geschossen wurde. Gewicht 150 Gramm.
Laut Vorschrift ist außerdem eine Schlingenschnur in der 2nd Line vorgesehen. Zur Erklärung: eine Schlingenschnur ist im Grunde ein starkes Seil, das mittels Palstek-Knoten zu einer festen Schlinge geformt wurde. In dieser Schlinge ist ein Kletterkarabiner eingebracht, der in seiner Position fixiert ist. In einem Notfall kann man in die Schlinge "reinschlüpfen" den Karabiner mit dem Haken der Winde des Hubschraubers über dir verbinden und schon kannst Du daran hochgezogen werden. Wichtig ist dabei besonders die Arme UNTEN zu lassen da man sonst einfach durchfällt. Wichtig für das Seil ist, daß es sich um ein Statikseil handelt. Ein Kletterseil würde dem Körpergewicht nachgeben und sich dehnen. Dieses Verfahren existiert noch in einer abgewandelten Variante und nennt sich Spy-Rig. Dabei wird vom Heli ein Seil mit Karabinern herabgelassen in das sich mehrer Teamkameraden einhaken können. Der Heli gewinnt an Höhe und der Trupp hängt im Seil - zumindest so lange bis eine sichere Stelle zum Landen gefunden wurde. Diese "Schlingenschnur" Geschichte ist gefährlich und wird daher nur in Notfällen praktiziert. Dank unseres Riggersbelt in der 1st Line können wir uns die Schnur sparen (ähm... nicht auf den Gedanken kommen sich an der Hose hochziehen zu lassen...) und beschränken uns auf den Karabiner. Gewicht: 75 Gramm.  Bei der Schlingenschnur kämen nochmals 150 Gramm dazu.

Und wieder ein Ausrüstungsgegenstand bei dem man sich streiten kann wohin er gehört - der laut Verpackungsplan aber eindeutig in die 2nd Line sollte - der Biwaksack. Ein Biwaksack ist mit einer der nützlichsten Gegenstände überhaupt. Der Biwaksack ist ein wind- und wasserdichter Sack, der im Freien als Außenhülle um den Schlafsack verwendet wird und vor Nässe, Schmutz und Auskühlung durch Wind schützt. Der Biwaksack besteht an der Oberseite aus Goretex, einem dampfdurchlässigen Laminat, das die Feuchtigkeit aus dem Inneren nach außen entweichen läßt, ohne jedoch Nässe von außen eindringen zu lassen. Der Boden besteht aus einer soliden PU-Plane. Geschlossen wird er mit einer Reissverschluss- (YKK) / Klett- / Druckknopfkombination. An den Kopf- Fuß- und Seitenenden sind Schlaufen mit Ösen für Erdnägel angebracht, damit kann man (z.B.) für eine Übernachtung den BivyBag sicher am Boden fixieren. So kann es nicht passieren daß man sich mit dem Schlafsack dreht und den Biwaksack mitdreht. Innen sorgen zwei Bänder für den sicheren Halt der Isomatte. ACHTUNG: Nicht verwechseln - Biwaksäcke und Schlafsackhüllen sind zwei völlig verschiedene Dinge ! Eine Schlafsackhülle ist nur dazu da den Schlafsack vor Nässe zu schützen und hat daher auch meist die klassische Mumienform. Der Biwaksack läßt sich komplett schliessen, z.B. als Zeltersatz bei Regen oder Sturm. Er ist größer geschnitten und bietet mehr Bewegungsfreiheit. Warum in der 2nd Line und nicht beim Schlafsack in der 3rd ? Einfach: Der Biwaksack kann auch solo, ohne Schlafsack benutzt werden. Bei relativ hohen Temperaturen kann er den Schlafsack ersetzen. Bei Dauerregen oder Sturm kann er den Soldaten vor Unterkühlung schützen, z.B. im Alarmposten oder während eines langen Halts. Man legt sich einfach mit Ausrüstung hinein und beobachtet relativ wettergeschützt weiter seinen Sicherungsbereich. Ein aufwendiges kramen im Rucksack entfällt. Auch das verpacken gestaltet sich einfacher. Auf dem freien Markt gibt es zahlreiche Biwaksäcke, das meiste ist eher Schrott. Wichtig ist darauf zu achten daß es sich um ein atmungsaktives Laminat wie Goretex, Symphatex, Breathex u.s.w. handelt. Gewicht des Goretex Biwaksacks 1600 Gramm. Kleiner Tip zur Benutzung - in der Regel bleiben die Stiefel und Klamotten an. Um den BivyBag zu schonen und hinterher nicht so viel Arbeit mit der Reinigung zu haben kann man einfach zwei BW Schlafsackbeutel (die grünen, gummierten) umdrehen - also Gummi nach innen - mit den Stiefeln rein und oben zuziehen. Im Notfall kann man so trotzdem laufen und der Schmutz bleibt im Beutel.
 
        
Auch in der 2nd Line kommt eine kleine Medic-Ausrüstung vor. Im Detail handelt es sich um Verbandpäckchen, Infusion (Kochsalzlösung NACL 0,5%) und Infusionsbesteck. Die Verbandpäckchen können wir uns sparen da wir sie bereits in der 1st Line haben. Die Infusion und das Besteck haben wir einer Multifunktionstasche der KMW untergebracht. Sie ist als Ergänzung zur Ersten Hilfe gedacht, wenn die Lage es nicht zulässt das große Medicpack aus der 3rd Line zu benutzen bzw. erst auszupacken. So kann der Kamerad schnell stabilisiert und hoffentlich auch transportiert werden. Gewicht: 650 Gramm. Weil wir grad beim Thema Sanitätsdienst sind: In jedem 4-Mann Trupp hat mindestens einer ein Bergetuch in der 2nd Line dabei. Natürlich handelt es sich nicht um dieses Bergetuchmonster aus Leinenstoff das bei der BW Standard ist. Vielmehr ist es ein Tuch aus Fallschirmseide das wesentlich leichter ist (ca. 600 Gramm) und sich recht platzsparend verpacken lässt. Zudem führt der Truppmedic auch ein Band zum Abbinden bereits in der 2nd Line mit. Dazu gibt es verschiedene Varianten - hier das dienstlich gelieferte.


Um sich im Gelände sicher und schnell orientieren zu können werden natürlich GPS Geräte benutzt. Dabei wurde viel dezentral angeschafft und erprobt - im Grunde alles was der Zivile Markt hergibt. Das Garmin E-Trex erfreut sich wohl großer Beliebtheit. Wo viel verschiedenes vorhanden ist wird auch viel verschiedenes benutzt - in unserem Fall soll mal ein älteres Modell herhalten - das Garmin GPS38. Es wird mit vier AA Batterien betrieben (120 Gramm) und wiegt leer 150 Gramm. In Verbindung mit einer Karte mit UTM Gitter und dem entsprechenden Schlüssel (versteht sich) kann man sich damit ausgezeichnet orientieren. Dank Halterung kann das GPS38 direkt am Klettpaneel der Weste getragen werden. Das die standardmäßig dienstlich gelieferten GPS Geräte von Rockwell zu Hause bleiben, liegt wohl neben den eingeschränkten Funktionen vor allem am Gewicht von 1200 Gramm. 

 
Was sollte noch dabei sein ? Z.B. ein kleines Fernglas für den Blick "zwischendurch". Leistungstarkes optisches und optronisches Gerät befindet sich in der 3rd Line - da möchte man nicht erst wühlen wenn man nur mal einen Blick auf das Hindernis vor einem werfen will. Manchmal reicht die 3-fache Vergrößerung der G36 Optik nun mal nicht aus. Sinnvoll ist hier ein kleines Fernglas in Griffweite z.B. ein einfaches Monokular mit einer 10- fachen Vergrößerung, bei 25mm Linse. Klein und mit 80 Gramm natürlich sehr leicht.
Praktisch ist auch immer Nähzeug am Mann zu haben - schnell reißt hier mal was ein, dort was aus - es ist günstig wenn man mittels Nadel und Faden dem Verfall gegenübertreten kann. Das Standard Nähpäckchen der Bundeswehr bietet schon wieder zu viel des Guten (wer stopft sich schon im Einsatz die Socken ?). Also eine abgespeckte Variante in einer kleinen Box. Besteht aus: drei unterschiedlich starken Nadeln, oliven, schwarzen Garn, Draht, Angelsehne (für die harten Fälle). Entklappert wird das Ganze mit einer Mullbinde die gleich noch als Unterfütterung für Nähte dienen kann. Gewicht: 30 Gramm.

  
Wichtig sind auch ein paar Grundartikel der Körperpflege in der 2nd Line. Da wäre zunächst eine (gekürzte) Zahnbürste sowie Zahncreme (muß aber nicht sein), Sonnencreme und Insektenschutzmittel. Gewicht: 150 Gramm.
Ein wichtiger Punkt noch am Schluss: Batterien. Wir handhaben es so daß wir immer 100% der aktuell in Benutzung befindlichen Batterien nochmal in der 2nd Line haben. Da kommt einiges zusammen: 2x AA Krill, 2x AA MiniMaglight (beides 1st Line), 6x AA SEM52, 2xAA Strobelight, 3x CR123 Surefire, 4x AA GPS. Macht 16x AA = 480 Gramm plus 3x CR123 = 75 Gramm. Insgesamt also ein Gewicht von 555 Gramm nur für Ersatzbatterien. Klar kann man die eine oder andere Ersatzbatterie weglassen. Z.B. die fürs Krill, die für die MiniMag und auch die fürs Strobelight. Immerhin eine Ersparnis von 180 Gramm. Wird am besten wasserdicht in einer Dose o.ä. aufbewahrt.
Zusammenfassend haben wir in der 2nd Line also ein Gewicht von 21,175 Kilogramm. Im Gegensatz die MILSIM-Ausrüstung mit 17,705 Kilogramm - das sind 3,470 Kilogramm weniger. Insgesammt dennoch verdammt viel, und passt auch keinesfalls alles in die KMW. Hier muß also umgeschichtet und in der 3rd Line verlagert werden. Gerade Dinge wie Nähzeug, Hygieneartikel aber auch der Biwaksack können in die 3rd Line. Mit der befassen wir uns später.