Montag, 4. Juni 2012

Krylon Camouflage Paint


Krylon Lack — jeder hat schon mal Ausrüstungsgegenstände gesehen die so behandelt "krylonisiert" wurden. Der typische, verwaschen dreckige Look — meist in Sand oder Erdtönen, mit hervorragender Tarnwirkung. Leider ist echtes Krylon hier in Deutschland nur schwer oder gar nicht zu bekommen, wenn man sich nicht irgendwelchen ominösen Sammelbestellungen anschließen will oder sich an zweifelhafte Onlineshops wendet. Und um es gleich vorweg zu nehmen - mit etwa 15 EUR pro Dose ist das echte Krylon nicht teuerer als ein vergleichbares Billig-Lackspray. 
 
Stand: März 2007
Doch was ist Krylon, woher kommt es? Krylon ist ein Speziallack für die Tarnung von Waffen und Gerät, Bekleidung und allem was irgendwie der Natur angepasst werden soll. Deshalb bekommt man Krylon in den USA auch in jedem Geschäft für Jagdbedarf und gut sortiertem Baumarkt. Die Besonderheit an Krylon ist seine (je nach Art) extrem matte Oberflache, seine starke Abrieb- und Kratzfestigkeit auf den meisten Materialien.
Das Militär kam auf Krylon erst mit Verlagerung der Einsatzgebiete in die "trocken-heißen" Zonen, sprich Afghanistan. Die Industrie war auf den plötzlichen Wechsel nicht recht vorbereitet so dass viele SOF-Operator noch mit Woodlandausrüstung in den Einsatz geschickt wurden. Manche Ausrüstungsgegenstände dagegen waren ohnehin zu "speziell" oder wurden zu selten genutzt als dass man diese noch extra in einer angepassten Tarnfarbe anschaffen wollte. Und so taten die Spezialeinheiten das was man von ihnen erwartet — sie improvisierten. Krylon erwies sich als optimal um die Ausrüstung der neuen Einsatzumgebung anzupassen. Und so verwundert es nicht das insbesondere die Spezialkräfte aller Welt ihre Rucksäcke, Waffen und Kampfmittelwesten krylonisierten. Heute haben die Hersteller langst reagiert und bieten das Equipment in der passenden Farbe an, Krylon ist im militärischen Sektor eher wieder selten geworden. Mal abgesehen  von Scharfschützen die ihre Ausrüstung damit individuell anpassen ist das krylonisieren heute eher ein "Stylefaktor", denn notwendig.
Doch was leistet Krylon, was kann es tatsachlich? Obwohl wir Krylon schon seit Jahren Benutzen haben wir nie einen richtigen Test damit durchgeführt. Um diese Frage zu klaren haben wir uns eine Dose in "Sand, extra flat" besorgt, mit der wir ausgiebig experimentiert haben. Doch zunächst müssen wir ein paar Begriffe abklären. Wir sprechen von der Abriebfestigkeit und der Kratzfestigkeit. Abriebfestigkeit bedeutet wie stark die Farbe unter normalen Einsatzbedingungen leidet, zum Beispiel wenn Stoff auf Stoff reibt. Kratzfestigkeit beschreibt wie widerstandsfähig der Lack auf direktes Einwirken ist, z.B. das Kratzen mit den Fingernägeln oder wenn zwei harte Gegenstande aufeinander reiben. Getestet haben wir den Lack auf: - 1000DEN Cordura, Nylon, Polyester, Baumwolle - 50% Baumwolle, 50% Polyester Gemisch, Plastik, und Edelstahl. Kein Material wurde vorher irgendwie behandelt, also weder angerauht, noch grundiert. Der Hersteller wirbt mit "trocknet in 15 Minuten oder weniger". Das kann ich vorbehaltlos unterschreiben. Die gemessenen Trocknungszeiten lagen zwischen ,,unmittelbar" und 10 Minuten. Natürlich gelten auch für Krylon die normalen Regeln wie für alle Lackarbeiten:
Dünn aufsprühen, in Schichten arbeiten. Beginnen wir mit dem Cordura. Besprüht wurde ein Webtex Trinkrucksack aus 1000 DEN Cordura. Der Lack deckte gut und schnell, trocknete binnen sieben Minuten völlig aus und ist sowohl absolut abriebfest, als auch kratzfest. Die Plastik am Wassertank war nahezu unmittelbar nach dem Auftrag trocken, ist auch sehr abriebfest — lasst sich aber (wenn man es wirklich drauf anlegt) mit den Fingernägeln abkratzen.
Mit dem Nylon hat es der Lack schon schwerer gehabt. Das Material war nur leicht strukturiert und damit natürlich sehr recht glatt. Auch hier deckte das Krylon sofort und trocknete binnen fünf Minuten aus. Trotz dem glatten Material ist der Lackauftrag noch recht kratz- und abriebfest. Auch nach intensivem Reiben bekam man den Lack nicht wieder runter, nur das Oliv der Tasche schimmerte ganz leicht wieder durch. Auf den tatsachlichen Tarneffekt hat das jedoch keine Auswirkungen.
Die Baumwolle mochte das Krylon nicht wirklich. Sie saugte sich schnell voll, was sowohl die Deckkraft, als auch die Trockenzeit negativ ausfallen ließ. Nach der zweiten Schicht besserte sich das zwar, aber entsprechend steif war das Gewebe am Ende auch. Aber dennoch eine absolut abrieb- und kratzfeste Sache.
Das genaue Gegenteil war der Polyesterstoff. Sehr glatt und wasserdicht deckte der Lack natürlich sofort, trocknete auch binnen zwei Minuten. Aber leider scheiterte das Material beim Abriebtest. Durch das extrem glatte Material hatte der Lack keine Möglichkeit einzudringen, eine Haftung aufzubauen.
Besser schlug sich das Mischgewebe. Das Krylon deckte zügig, trocknete auch in annehmbarer Zeit. Sowohl der Abrieb, als auch der Kratztest verliefen zufrieden stellend. Keine Überraschung soweit. Blieben noch Plastik und Metall.
Wir haben uns für ein Stück Markiererplastik entschieden, unbehandelt ging es einfach drauf los. Obwohl die Plastik recht glatt war haftete der Lack sofort sehr gut, er war regelrecht unmittelbar getrocknet. Der Abriebtest überraschte — nichts geschah. Auch nachdem wir mit einem Stuck (rauen) 1000 DEN Cordura darauf rumgerieben hatten — nix. Nun kamen die Fingernägel zum Einsatz — ebenfalls ohne sonderlichen Erfolg. Erst eine Münze brachte sichtbare (Kratz) Ergebnisse. Beeindruckend.
Für den Metalltest haben wir uns für einen Edelstahlkarabiner entschieden, denn er repräsentiert so ziemlich das am schlechtesten zu lackierende Material. Glattes Metall ohne anrauen... ein Albtraum. Der Lack trocknete auch hier unmittelbar, und war (erstaunlicher Weise) ordentlich abriebfest. Nur der Kratztest wirkte erwartungsgemäß verheerend. Ergänzend sei noch erwähnt das der Krylonlack sämtliche Funktionsteile wie z.B. Reissverschlüsse nicht verklebte, aber auch nicht abkratzte wenn man sie bediente.
Doch wie ergiebig ist der Lack nun tatsächlich? Mit einer Dose haben wir einiges an Material krylonisiert. Wenn wir den Kleinkram weglassen kommen wir damit immer noch auf: einen kompletten Berghaus Munro, Webtex Hydropack, PLCE Koppelsystem, 2 PLCE Seitentaschen, MilTec Shootersbag, eine (große) lsomattenhülle und und und.
Fazit: Nachdem wir schon einiges an Lacksprays ausprobiert haben (auch den Müll der als "Super toll für alle Ausrüstung" angepriesen wird) müssen wir feststellen: NICHTS kommt an echtes Krylon ran.