Montag, 23. Juli 2012

Hazard 4 Evak Plan B Sling Bag

Und wieder ein kreativer Name für ein interessantes Produkt. Hazard 4, der militärische Ableger der  US Firma Civilian Labs, scheut sich nicht ein bischen Sarkasmus in seinen Produktnamen unterzubringen. So nennt sich der Messenger Bag "M.O.D. - Messenger of Doom" und der Sling Bag hier eben "Evak Plan B". Und das trifft den Nagel auch auf den Kopf, denn der Evak ist grundsätzlich ein Ausrüstungsgegenstand für den Notfall, den Fall das Plan A schiefgelaufen ist.



Stand: Dezember 2011

Das Grundkonzept des Evak Plan B (im folgenden nur noch Evak) ist nicht neu. Zwangsweise erinnert man sich sofort an den S.O. Tech GoBag der dieses Segment belebte und auch weite Verbreitung fand. Sogar bis ins deutsche KSK, wovon einige Videobeweise zeugen. Der Gedanke war eine Tasche für den aufgesessenen Einsatz zu entwickeln, die Platz für das nötigste bietet, keinen Stauraum verschwendet, im Fahrzeug nicht im Weg ist und mit der man dennoch schnell das Fahrzeug verlassen kann und alle essentiellen Dinge am Mann hat. 

Dieses Konzept des "Bail out Bag" ist ein sehr praxisbezogenes und eher auf den militärischen Anwender ausgelegt, dessen Fahrzeug angesprengt wird, schnell absitzt, den Bag überwirft und schon wieder kampfbereit ist. Die längliche Gesamtform unterstützt das Ganze natürlich maßgeblich, passten die GoBags doch zwischen die Sitze der Fahrzeuge. 

Also ist der Evak nur ein GoBag Clone? Nein. Der GoBag ist sehr puristisch angelegt, er bietet genau daswas der militärische Anwender im Notfall braucht - aber auch nicht mehr. Hazard 4 hat erkannt das dieses Konzept aber auch einen gewissen Alltagswert hat bzw. auch für andere spezielle Anwendungen interessant sein kann. Zu erwähnen sind grundsätzlich Fahrzeugbesatzungen aller Art, Reporter in Krisengebieten, Piloten, Rettungskräfte und so weiter und so fort. Aber um diese (teils zivilen) Personenkreise für sich zu gewinnen mußte Hazard 4 sein Produkt alltagstauglicher gestalten. Und das haben sie gut gemacht.


Der Evak kommt mit 50x22x16 cm in nahezu den selben Maßen daher wie der bekannte GoBag. Dennoch wirkt der Evak tiefer und irgendwie bulliger. Das Oberflächenmaterial ist Cordura, geschätzt um die 1000DEN, dünn beschichtet und daher recht weich. Das verwendete Gurtband ist relativ hochwertig und ebenfalls ziemlich weich. Die Zipper sind leichtgängig und die Nähte alle recht sauber ausgeführt. Insgesamt muß man sagen - ja man hat schon Dinge von höherer Qualität gesehen - dennoch wird der Evak eine sehr hohe Lebensdauer haben. Die Qualität in Sachen Verarbeitung und Material ist daher kein Kritikpunkt, sie findet sich nur nicht ganz oben auf der Leiter wieder. Um die Kirche aber im Dorf zu lassen: Ich hätte keine Bedenken jemand an seinem Evak aus dem Gefahrenbereich zu ziehen, was im Grunde ja schon alles sagt.


Der Aufbau ist nicht ganz unkompliziert. Im Grunde besteht der Evak aus vier Taschen. Dabei stellt derGrundkörper das Hauptfach bzw. die Haupttasche dar. Anders als beim GoBag wird sie nicht hinten (also vom Rücken aus), sondern von der Front mittels eines umlaufenden Reißverschlußes geöffnet. Das kann man mögen oder auch nicht, ich finde es stellt im direkten Vergleich zum GoBag eine Verbesserung dar, da man nun auf das Hauptfach zugreifen kann ohne das der Träger ständig im Weg ist. Das Hauptfach ist nicht gegliedert, es findet sich an der Rückenseite unten nur ein Netzfach zum Einschub von flachen Gegenständen. Ein kleiner Netzbeutel findet sich auch auf der Abdeckung. Und das wars. Aber eigentlich ist diese Aussage nicht korrekt. Die inneren Seitenflächen des Evak sind vollständig mit einem flauschigen Stoff ausgekleidet, der sich wie Flauschklett verhält. Bedeutet: mit einem entsprechenden Gegenstück aus Hakenklett kann man dort alles befestigen was einem einfällt. Und Hazard 4 fiel ein gepolstertes Bodenstück ein, das sich so in beliebiger Höhe einkletten oder wieder entfernen lässt. Ähnlich wie in gepolsterten Fototaschen. Ein Boden gehört zum Lieferumfang, vielleicht bietet Hazard 4 die Teile auch mal einzeln zum Verkauf an, wünschenswert wäre es. Aber eigentlich auch unnötig, denn jeder Mensch mit ein kleinwenig Erfahrung im Umgang mit Nadel und Faden kann sich diese Trennstege selbst herstellen.


Leider wird m.E. viel Platz verschwendet der sinnvoll genutzt werden könnte. Z.B. auf der Unterseite des Deckels, ein weiteres Steckfach oder Klett um Taschen und Beutel anzukletten wäre hier wünschenswert gewesen. Zusammenfassend ist das Hauptfach sehr geräumig, durch seine ungewöhnliche Form verschätzt man sich schnell wie viel hier tatsächlich reinpasst. Interessantes Feature: auf der Oberseite des Hauptfachs findet sich ein ca. 5cm langer Zipper. Hier kann man Antennen oder auch den Lauf einer Langwaffe durchstecken. 

Hinter dem Hauptfach, Richtung Rücken ist über einen L- förmigen Reissverschluss ein weiteres Fach zu öffnen, geeignet für eine Trinkblase bis zu 3 Litern. Dazu findet sich an der Oberseite des Fachs eine entsprechende Austrittsöffnung, die per Klett verschlossen wird. Auch hier wurde ein Auge auf die Details gelegt: Richtung Träger findet sich an der Abdeckung der Öffnung kein Klett, so daß eine Trinkschlauchhülle nicht beschädigt wird.





Die Innenseite des Trinkblasenfachs ist auf Rückenseite ebenfalls mit dem flauschigen Stoff ausgekleidet, laut Hersteller kann man hier ein Holster mit Klett unterbringen was das verdeckte und versteckte Tragen einer Kurzwaffe ermöglichen soll. Wie weit das Sinn macht, lassen wir mal aussen vor. Zwei weitere, aufgesetzte Taschen finden sich am System an der Front. Oben eine kleine, schmucklose Tasche von 12x12cm unten eine größere von 26x12cm. beide lassen sich mittels umlaufender Reissverschlüsse vollständig öffnen. Auf der kleinen Tasche prangt ein Klettabschnitt für Patches, Namensschild etc. Über der kleinen Tasche ist viel Platz für das Firmenlabel gelassen worden (das kommt übrigens als 3D Patch und macht was her). Wieso dieser Platz nicht genutzt wurde um die obere Tasche zu vergrößern erschließt sich mir nicht. Schade, wieder verschwendeter Platz. Mehr gibt es über die obere Tasche nicht zu berichten, sie hat weder Unterteilungen oder bietet irgendwelche Überraschungen.



Da hat die untere Tasche schon mehr im Angebot: Hier finden sich Einschubmöglichkeiten für Tool, Messer, Lampe, Stifte und mehr. Interessant die beidseitig zu öffnende Tasche in I-Phone größe. Auf der Abdeckung finden sich einige MOLLE Reihen für weitere Taschen, noch tiefer möchte man aber eigentlich schon gar nicht mehr bauen.

Mehr Potential haben da schon die seitlichen MOLLE Aufnahmen, hier könnte man den Evak noch verbreitern und das Volumen gut aufstocken. Kommen wir zum Träger und der Polsterung. Der Träger ist sehr breit und dementsprechend komfortabel zu tragen. Er ist enorm stark gepolstert, für meinen Geschmack schon etwas zu stark. Die Unterseite ist mit Mesh ausgekleidet. MOLLE-Schlaufen ermöglichen auch hier das Anbringen von Taschen, für alles was schnell zur Hand sein soll. Es fallen die dünnen D-Ringe auf, die beidseitig angebracht sind. Sie sind stabil, aber aus Plastik und sollen den Unterstützungsgurt halten. Der besteht aus Gurtband und einem zusätzlichen Steckverschluss und ist wirklich hilfreich um den Evak bei Bewegung stabil auf seinem Platz zu halten. Eingehakt wird mittels eines kleinen Karabiners, ebenfalls aus Plastik. Hier sehe ich Verschleiß und Defekte kommen. Zum Glück ist das keine Stelle an der man nicht selbst problemlos nachbessern könnte. Sowohl der Träger, als auch der Unterstützungsgurt werden am Boden des Evak in zwei 5cm Metalldreistege eingeschlauft. Haltbar und sicher. Das Gurtband des Trägers verfügt übrigens über zwei "Keeper" die den Komfort wesentlich erhöhen sowie einem großen Steckverschluss mit Sicherung. Das ist zwar ein nettes Gimmick aber in der Praxis eher unnötig. Die Wahrscheinlichkeit eine solch massiven Steckverschluss "aus Versehen" zu öffnen ist sehr, sehr gering.
Der Rücken ist ebenfalls stark gepolstert und mit gepolsterten Abstandshaltern versehen um einen gewissen Wärmeaustausch zu garantieren. Gut bedacht hierbei: es findet sich kein Mesh am Rücken der zerkratzen oder aufreiben könnte, nichts wo ein Klettband schaden anrichten würde. Der unterste Abstandshalter hat übrigens die Form des Firmenlogos, das gefällt.

Kommen wir zu den diversen Bändern, Riemen, Schnallen. Neben der obligatorischen Anzugsverstellung oben am Träger findet sich auf der Unterseite ein 5cm Gurtband das sich auf den ersten Blick als Kompressionsriemen tarnt. Sicher, dazu kann man ihn auch nutzen, vielmehr kann man hier aber Gegenstände unterklemmen, eine Nässeschutzjacke etc. Auch die seitlichen Kompressionsriemen bieten viel mehr Gurtband als nötig wäre, auch hier kann man bequem etwas anbringen, die Einschubtaschen an der Unterseite des Evak helfen dabei.

Die Benutzung des Evak hat überrascht. Er ist äußerst bequem, trägt sich auch gut beladen angenehm, lässt sich schnell an und ab setzen und bietet die selben Funktionen wie der GoBag. Auch er lässt sich mit seinen Griffen oben und unten schnell auf den Bauch ziehen und man kann bequem darin rumwühlen ohne Gefahr zu laufen etwas zu verlieren. Die variable Tragweise links oder rechts und der Unterstützungsgurt tun ihr übriges um dem Anwender so viele Möglichkeiten offen zu lassen wie er braucht.

Im Internet geistern diverse Seiten und Videos über Modifikationen des Plan B herum, einige sinnvoll, andere sinnbefreit. Ich habe ein paar Ideen übernommen und natürlich noch das ein oder andere hinzugefügt.Zunächst bietet es sich an den Rücken weiter zu versteifen, damit der Bag seine Form behält und nicht in sich zusammenrutscht. Das tut er im Neuzustand zwar kaum, wird aber bei längerer Benutzung so kommen. Also habe ich eine dünne Plastikplatte für das Trinkblasenfach zurechtgeschnitten. Achtung! Unbedingt die Ecken abrunden und nur weiches Plastik nehmen. Der Evak soll die Form halten und nicht stocksteif werden. Die Innenseiten der Deckel aller Taschen habe ich mit 10cm Flauschklett versehen. Selbstklebend und mit einem Fön vorsichtig angewärmt hält der Klett auch dauerhaft. Hier können nun weitere Plastikverstärkungen oder Taschen eingeklettet werden. Den Zipper des unteren Fachs habe ich mit Shockcord und einem Tanka versehen damit Langfinger nicht einfach so Zugriff haben (aber sich das Fach auch nicht mal von selbst öffnet).

Aber die wichtigste Modifikation ist ein selbstentwickelter und genähter Adapter für PLCE Taschen Aufnahmen an diversen Rucksäcken. Der Evak bietet viel Platz und hohen Tragekomfort. Warum also auf seine Daypackfähigkeiten verzichten? Mittels des Adapters kann der Evak statt einer Seitentasche bequem z.B. am Berghaus Atlas transportiert werden. Wird er benötigt, kann man ihn abzippen und los gehts. Fazit: Der Hazard 4 Evak Plan B ist keine neue Erfindung. Vielmehr wurde ein vorhandenes Konzept aufgegriffen und sinnvoll verbessert. Durch seine vielen Features ist der Evak nicht nur für den militärischen Einsatz, sondern auch im zivilen Bereich nutzbar. Die Verarbeitung und Material sind angemessen und sorgen für eine lange Lebensdauer. Nur der Preis von knapp 130 EUR beisst ein wenig, wiegt sich aber recht schnell auf denn der Evak wird ein treuer Begleiter in allen Lebenslagen.