Montag, 23. Juli 2012

SOG Tactical Tomahawk

Es gibt Dinge, die geraten eben nie aus der Mode. So auch der Tomahawk, die ursprünglich von den amerikanischen Ureinwohnern geführte Streitaxt, die bei den weissen Siedlern aber ebenfalls schnell seinen Wert als Werkzeug und Waffe bewiesen hatte. Auch militärisch war und ist der Tomahawk im Einsatz: Ob in den Dschungeln und Sümpfen Südostasiens oder in den Straßenschluchten des Iraks – der Tomahawk ist häufig dabei. 


Stand: April 2012

Vor allem die US-Marines haben ein gewisses Faible für diese Waffe entwickelt, allerdings gestaltet sich die Benutzung dabei recht konventionell. Anders als in manchen Videospielen wird der Tomahawk weniger als Wurf- oder Nahkampfwaffe benutzt, sondern schlicht als Werkzeug. Ideal um hier und da mal die Angeln einer Tür auszuschlagen, eine Kiste aufzubrechen oder eine Scheibe einzuschlagen. Ja, der Tomahawk ist auch zum Werfen geeignet. Auf Youtube gibt es genügend Beilakrobaten zu sehen die wahre Wunderdinge damit anstellen. Und ja, im Nahkampf ist so eine Streitaxt eine verheerende Waffe. Aber machen wir uns nichts vor – im Vergleich zu einem Messer wird eine Axt immer schwerer zu kontrollieren und zu ziehen sein. Deshalb lassen wir die Kirche hier mal im Dorf und betrachten den SOG Tactical Tomahawk als das was er ist: Ein Werkzeug mit dem Potential einer effektiven Nahkampfwaffe.
 
Mit seinen 680 Gramm wiegt der Proband gut das Doppelte eines handelsüblichen KM2000. Ein (ge)wichtiges Argument, denn wie immer ist weniger Gewicht Trumpf. Allerdings bedeutet hier weniger Gewicht auch weniger Masse und damit weniger Wucht bei der Benutzung. Der Tomahawk liegt sehr stabil und gut ausgewogen in der Hand, definitiv kopflastig und wirkt wuchtig - aber auch filigran. Der Grund für diese Konstellation liegt in im verwendeten Material. Der Griff und Schaft ist 40cm lang und aus einem zähen Kunststoff, während der 21cm lange Kopf aus einem 420er Stahl hergestellt wurde. 
Das Blatt ist 6,6 cm lang und relativ scharf geschliffen, auf der gegenüberliegenden Seite finden wir einen Dorn von 2,2 cm, jedoch stumpf. Die schwarze Beschichtung des Kopfes ist haltbar, wird aber bei starker Benutzung wie bei allen Metallflächen irgendwann aufgeben. Der Griff ist rutschfest und bietet am unteren Ende eine Öse für einen Fangriemen.


Leider ist die mitgelieferte Scheide völlig nutzlos. Zum einen hält der Verschluss mittels Druckknöpfen nicht wirklich, zum anderen fehlt jegliche Befestigungsmöglichkeit an Gürtel, Weste, Rucksack. Als passionierter Näher wurde hier schnell Abhilfe geschaffen und eine MOLLE basierte Halterung genäht.

 
Wie immer ist der Zweck und Notwendigkeit der Gradmesser eines solchen Werkzeugs. Es macht nicht immer Sinn einen Tomahawk mitzuführen, genau so wenig wie man permanent ein Kampfmesser oder ein Klauenbeil braucht. Ein solches Werkzeug kann seine Stärken ausspielen wenn es die Gesamtfähigkeiten des Trupps erweitert. Zweifelsfrei ist es sinnlos wenn jeder Operator einen Tomahawk führt. Aber schnell kann damit gehackt und sogar gegraben werden, Dinge die eine Säge nicht kann. Schnell ist damit ein Baumstamm angespitzt um als improvisierte Zeltstange fürs Gruppenzelt zu dienen. Genau so schnell ist damit aber auch eine Autoscheibe oder ein kleiner Verschlag zertrümmert, ein Vorhängeschloss abgeschlagen oder ein Kofferraum aufgehebelt. Immer eine Frage wozu man es benötigt und wie kreativ man selbst in der Erarbeitungen von Lösungen für einfache Probleme ist.

 



Der Tomahawk als Waffe - nun jeder kann sich wohl die Wirkung einer Axt im Nahkampf ausmalen, deshalb muss man darauf sicher nicht gesondert eingehen. Zu Bedenken ist aber auch das man mit einem Tomahawk stets Schwung und Freiraum braucht um einen Schlag ausführen zu können. Etwas das ein Messer in der Form nicht benötigt. Durch seine Länge und die entsprechend größere Hebelwirkung ist es zudem wahrscheinlicher daß das Gegenüber die Waffe entwendet, ausdreht oder noch wahrscheinlicher einfach festhält. Denn die Schneide ist verglichen mit der Gesamtgröße sehr klein. Anders als beim Kampfmesser. Natürlich habe ich den Tomahawk auch im Wurf getestet. Trotz Studiums entsprechender Lektüre ist es schwer auf 5 Meter eine 50cm breite Holzwand so zu treffen daß auch ein effektiver Schaden entsteht. Entweder ist die Kraft zum Eindringen nicht genug, der Winkel falsch, die Drehung zu stark oder zu schwach... Aber auch wenn man dies nach viel Übung beherrschen würde - im Wurf ist ein Tomahawk keinesfalls eine effektive Waffe. Die Zeit die benötigt wird um das Teil zu ziehen, zu zielen und zu werfen sollte man lieber in die Störungsbeseitigung seiner Schusswaffe(n) oder in die Flucht stecken.
 
Fazit: für knapp 70 EUR kein günstiges Werkzeug, aber ein nützliches Teil wenn man es denn richtig einsetzt und sich nicht von Hollywood-Mythen leiten lässt.